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© FFW Eschlkam 2010

 

Maibaum

Am Vorabend des 1. Mai wird in der Mitte der Ortschaft ein Maibaum aufgestellt. Oft organisiert dies die örtliche Feuerwehr.

 

Wie sieht der Maibaum aus?

 

Der frisch geschlagene und entrindete Maibaum wird in den Ort gefahren.

Als Maibaum wird meistens eine Birke, eine Tanne oder eine Fichte verwendet. Am entrindeten Stamm des Maibaumes werden die Symbole der lokalen Handwerksbetriebe, Gilden und Zünfte angebracht. Je nach dem, wie wohlhabend das Dorf ist, können dabei wahre Kunstwerke entstehen.  Die Bänder dürfen nur von verlobten Frauen angebracht werden, nie von noch "unvergebenen" Mädchen! Der Kranz wird - im Gegensatz zum Baum - jedes Jahr erneuert. Ganz oben auf dem Baum thront ein Wetterhahn.

In Bayern wird der Stamm des Maibaumes in den Landesfarben (weiß und blau) bemalt.

Bedeutung der einzelnen Bestandteile des Maibaums:

Der feste Stamm steht für Kraft und Gesundheit. Allerdings muss sämtliche Rinde entfernt werden: unter ihr könnten sich Hexen oder böse Geister verstecken, die die Gestalt von Käfern angenommen haben. Im Gegensatz zur (maskulinen) Stärke des Stammes symbolisiert der Kranz die (weibliche) Fruchtbarkeit, seine Bänder stehen für das Wachstum und Gesundheit. Im grün belassenen Wipfel schließlich wohnen die Götter und guten Geister. Ohne grüne Spitze hat der Maibaum keine Kraft mehr.

Noch befindet sich der Baum in der Waagrechten. Das Gewicht an den Haltestangen ist noch am Größten.

Mit größter Kaftanstrengung wird der Baum Meter für Meter in die Senkrechte gebracht.

Der Maibaum wird traditionell mit reiner Muskelkraft in die Höhe gehievt. Dazu muss jeder mitanpacken. Nur eine funktionierende Dorfgemeinschaft kann diese Aufgabe meistern.

Allerdings ist dies in machen Städten aus Sicherheitsgründen verboten, dort wird dann ein Kran benutzt.

 

 

Wo findet sich der Ursprung des Maibaums?

 

Schon lange gelten Bäume als Zeichen des Lebens und der Fruchtbarkeit. Der Maibaum war dabei schon immer ein besonderer Bote, der die Wärme und den Sommer ankündigte.

Der 1. Mai war bereits 1500 v. Chr. für die Kelten ein wichtiger Feiertag, da dieser für sie den Beginn des Sommers darstellte. Für ihre Feiern am 1. Mai stellten sie Opferbäume auf, die sie vermutlich mit Bändern und Kränzen (symbolisch für die Sonne) schmückten.

Auch die Germanen verehrten Bäume. Sie glaubten, dass in jedem Baum eine Seele wohne. Der 1. Mai war ihrem Glauben nach der Tag, an dem sich der Gott des Himmel, Wotan, mit der "Mutter Erde" Freja (auch: Frigga) vermählt hatte. Damit wurden die beiden Götterfamilien, die Asen und die Wanen, vereint. Ihnen zu Ehren wurde ein Baum errichtet, der auch Symbol für die Fruchtbarkeit war.

Gleich ist es geschafft!

Und ja, natürlich ist ein Maibaum ein Phallussymbol, das in Mutter Erde gerammt wird. Anrüchig ist das nicht. Nur ein uraltes Zeichen für den schöpferischen Akt, der sich eben auch im Frühling jedes Jahr neu vollzieht.

Wenn der Maibaum endlich steht, kann das Fest beginnen.

In Deutschland werden seit dem 13. Jahrhundert Maibäume aufgestellt. Anfangs wurden die Bäume dabei nur mit bunten Bändern geschmückt. Da es als Liebesbeweis galt, wenn ein junger Mann seinem Mädchen einen bunt geschmückten Baum vor die Tür stellte, wurden jedes Jahr sehr viele Bäume geschlagen! Um die Wälder zu schützen, wurde deshalb schon seit dem 16. Jahrhundert mehrfach versucht, den Brauch zu verbieten - allerdings ohne Erfolg.

Im 18. Jahrhundert begann man, die Bäume mit den Zeichen der Zünfte und Gilden des Ortes zu verzieren. Auch Schilder mit religiösen Motiven wurden angebracht. Trotzdem wurde der Brauch des Maibaumaufstellens von den Regierenden und der Kirche nicht gerne gesehen.

Im 19. Jahrhundert erkannte die Kirche, dass sie den Brauch nicht unterbinden konnte. Sie beschloss, dem Maibaum auch eine christliche Bedeutung zu geben und erklärte ihn zum Symbol für Ostern, als ein Zeichen der Auferstehung und der Erlösung.

 

 

Brauchtum rund um den Maibaum

 

Wenn der Maibaum bemalt und verziert, aber noch nicht aufgestellt ist, darf er von anderen Dörfern gestohlen werden! Dies allerdings nur, wenn in dem anderen Dorf auch ein solcher Baum auf- bzw. bereitgestellt wurde. Um den Diebstahl zu verhindern, werden Nachtwachen eingeteilt. Diese feiern aber manchmal so ausgiebig, dass sie tief schlafen während ihr Baum entwendet wird! Werden die Diebe jedoch noch innerhalb des Ortes entdeckt, müssen sie den Baum zurückgeben.

Ansonsten muss der Baum freigekauft sprich ausgelöst werden. In der Regel ist der Preis dafür eine ausgiebige Brotzeit und ein Fass Bier.

 

 

Zusätzliche Aktivitäten in der Mainacht

 

In der Nacht zum ersten Mai setzen die Burschen ihren Mädchen ein mit Bändern bunt geschmücktes Maibäumchen - eine Art Miniaturausgabe des Maibaumes. Damit bringen sie ihre Liebe zu ihrer Angebeteten zum Ausdruck.

Bei einem boshaften Mädchen kann es schon mal ein Schandmaien geben: Dann steht am Morgen des 1. Mai das Gerippe des alten Weihnachtsbaumes oder gar ein Reisigbesen im Vorgarten.

Ein weit verbreiteter Brauch ist auch das Zusammentragen in der Nacht zum 1. Mai. Dazu werden alle nicht aufgeräumten Gegenstände in den einzelnen Anwesen der Ortschaft in der Nacht auf dem Markt- oder Dorfplatz öffentlich gestapelt. Der unordentliche Besitzer muss sie dann in aller Herrgottsfrühe zurückholen und hofft natürlich nicht gesehen zu werden, um der Schande zu entgehen.

 

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