Verbrennungen und VerbrühungenVerbrennungen und Verbrühungen

Es ist schnell passiert. Die besten Heilungschancen haben Sie, wenn Sie sich vorher informieren, Hintergründe kennen und im Ernstfall richtig handeln.

Was sind Verbrennungen und Verbrühungen?

Verbrennungen und Verbrühungen sind schwere Schädigungen der Haut, der Hautanhangsgebilde und zum Teil auch der tiefer liegenden Gewebe durch thermische Einflüsse. Dadurch können nachhaltige Folgen auf den gesamten Organismus durch Störung der "vitalen Funktionen" entstehen.
Die Ursachen sind thermische Schäden der Haut und der Anhangsgebilde (z.B. Haare, Nägel). Sie entstehen durch Einwirkung von:

  • heißen Flüssigkeiten
  • Dampf
  • heißem Material
  • Sonne, Strahlung
  • Radioaktivität
  • Strom, Blitzschlag
  • Reibungshitze
  • Feuer, Flamme, Explosion

(Gleichartige Schäden entstehen auch durch Säuren und Laugen!!!)

Die Verbrennungsgrade

Die Einteilung der Tiefe einer Verbrennung oder Verbrühung erfolgt meist in drei Verbrennungsgrade:

1. Grad
1. Grad

Rötung, Schmerzen, Schwellung

2. Grad
2. Grad

Rötung, Schmerzen, Schwellung, Blasenbildung

3. Grad
3. Grad

Grau-Schwarz-Weiß lederartige Hautgebiete, Gewebsuntergang (Nekrosen), keine Schmerzen mehr !!!


Erst wenn man die gesunde Haut näher betrachtet, erkennt man welche Feinheiten bei einer Verbrennung verletzt werden können.
Der Aufbau der menschlichen HautJe nach Intensität und Art des einwirkenden thermischen Mediums auf die Haut kommt es zur Ausbildung der Verbrennungswunde in unterschiedlichen Schweregraden. Die Wunde ist also abhängig von:

  • Temperatur
  • Einwirkungsdauer
  • Art der Wärmequelle

Entscheidend für die Schwere der Verbrennung/Verbrühung sind vor allem zwei Faktoren:

  • Verbrennungsgrad
  • Fläche

Großflächige schwere Brandwunden sind eine der schlimmsten Verletzungen, die ein Mensch erleiden kann.

Berechnung der Verbrennungsfläche

Neuner-Regel beim ErwachsenenDie Ausdehnung einer Verbrennung wird beim Erwachsenen mit der sogenannten Neuner-Regel bestimmt, nach der den einzelnen Körperregionen die betreffenden prozentualen Anteile zugeordnet werden.
Links ist die Neuner-Regel gezeigt, bei der die meisten Flächen mit 9 oder 18 % der Gesamtkörperfläche angenommen werden.
Neuner-Regel beim KindBei Kindern verliert die Neuner-Regel leider ihre Gültigkeit, da sich das Verhältnis von Kopf und Extremitäten zum Körperrumpf gegenüber dem Erwachsenen völlig anders verhält.
Daher kann man die Angaben rechts auch nur als ungefähre Angaben verstehen. Je nach Alter des Kindes ist vor allem das Verhältnis von Kopf und Hals zur Gesamtkörperfläche größer oder kleiner.
In Anbetracht dieser Situation empfiehlt es sich generell bei Kindern das Ausmaß der Schädigung nach der folgenden Faustregel festzulegen:
Die Handfläche des Patienten entspricht 1% seiner Körperfläche!

Welche Gefahren entstehen?

  • Eiweißausflockung bei einer Temperatur >42°C (Eiweißdenaturierung)
  • Veränderung der Eiweißstruktur, Entstehung und Einschwemmung von Giften (Toxinen) in die kleinsten Gefäße (Kapillaren).
  • Zirkulations- und Durchblutungsstörungen im Kapillargebiet
  • Bildung von Ödemen
  • Schock

Was ist ein Verbrennungsschock oder die Verbrennungskrankheit?

Das "Thermische Trauma" führt in Abhängigkeit von seiner Tiefe und Ausdehnung nicht nur zu einer örtlichen Gewebeschädigung, sondern löst eine Vielzahl pathophysiologischer Vorgänge aus, die in den Verbrennungsschock einmünden, dessen Spätkomplikation die Verbrennungskrankheit ist.

Bei einer Verbrennungstiefe ab zweitem Grad und einer Verbrennungsfläche von mehr als 20 % beim Erwachsenen, 10 % bei Kindern oder 5 % bei Säuglingen muss mit der Entstehung eines Verbrennungsschocks und somit mit einer lebensbedrohlichen Störung für den Patienten gerechnet werden.

Die örtliche Schädigung der Haut führt, insbesondere bei ausgedehnten Verbrennungen zu komplexen Regulations- und Funktionsstörungen, die alle Organe und Organsysteme betreffen und in ihrer Gesamtheit als Verbrennungskrankheit bezeichnet wird. Diese Krankheit kann noch Tage bis Wochen nach dem Unfallereignis lebensbedrohliche Krisen auslösen.
Eine nicht zu vernachlässigende Gefahr ist die Infektion, die sich vor allem in der Phase der Verbrennungskrankheit negativ auf den Heilungsprozess auswirken kann.
Die Schwere einer Verbrennungskrankheit wird in den ersten Stunden und Tagen mitentscheidend vom Zeitpunkt
und der Qualität der Erstversorgung
bestimmt.

Welche Maßnahmen trifft man bei einem Notfall?

Verbrühungen und Verbrennungen erzeugen beim Betroffenen stärkste Schmerzen und gehen oft einher mit einem Schock.

Verbrennungen
  • Kleiderbrände sofort löschen: Mit Wasser übergießen, die Flammen mit einer Decke ersticken, oder den Betroffenen auf dem Boden wälzen.
  • Feuer löschen.
  • Notruf.
  • Verbrannte Körperstellen sofort mit kaltem Wasser übergießen, oder in Wasser eintauchen (mind. 10 -15 Minuten lang) und kühlen, bis der Schmerz nachlässt.
  • Kleine Verbrennungen oder Verbrühungen geringen Grades (ohne Blasenbildung) an der Luft heilen lassen (nicht mit einem Pflaster oder Verband abdecken)
  • Wunden keimfrei bedecken.
  • Betroffenen zudecken.
  • Schockbekämpfung.
  • immer wieder Vitalzeichenkontrolle (Puls, Blutdruck, Atmung)
  • Bei Bewusstseinsverlust und vorhandener Atmung, Stabile Seitenlage.
  • Bei Atem- und Herzstillstand Herz-Lungen-Wiederbelebung.
  • Brandblasen nicht öffnen!
  • Mit der Haut verkrustete Kleidung nicht ausziehen.
  • Verwenden Sie keine "Hausmittel" wie Salben, Puder, Öle, Desinfektionsmittel etc.!
Verbrühungen
  • Notruf
  • Die Kleidung sofort, aber vorsichtig entfernen.
  • Verbrühte Körperstellen sofort mit kaltem Wasser übergießen, oder in Wasser eintauchen (mind. 10 -15 Minuten lang, bis Schmerzen nachlassen).
  • Nach der Wasserbehandlung Brandwunden gegen Infektionen mit einem sterilen Verbandtuch bedecken.
  • Wegen des großen Schmerzes durch eine Verbrennung oder Verbrühung  gilt immer: Das Kind oder den Erwachsenen beruhigen, warmhalten und nicht allein lassen, bis der Rettungsdienst eintrifft!
Verbrennungen im Gesicht
  • Vorsicht bei Verbrennungen im Gesicht: Das Kind kann Rauch eingeatmet haben. Es besteht die Gefahr der Atemnot, da die Schleimhäute anschwellen und die Atmung behindern können.

In diesem Fall:

  • Rettungsdienst verständigen
  • Kind ansprechen und beruhigen
  • Aufrechte Sitzposition, um die Atmung zu erleichtern
  • Atmung kontrollieren
  • Brandwunden im Gesicht nicht abdecken
  • Kind warmhalten!

Wie kann man Verbrennungen und Verbrühungen vorbeugen?

  • Stellen Sie die Temperatur von Warmwasser auf etwa 50° C ein und lassen Sie Ihre Kinder nicht alleine am Wasserhahn spielen. Überprüfen Sie das Badewasser immer mit einem Thermometer, bevor Sie Ihre Kinder in die Badewanne setzen.
  • Sie sollten die Temperatur von Speisen und Milchflaschen vor dem Füttern immer selbst überprüfen.
  • Vorsicht: Erhitzen Sie Speisen oder Getränke niemals in der Mikrowelle, da sie sich nicht gleichmäßig erwärmen.
  • Nehmen Sie selbst keine heißen Getränke zu sich, solange Sie Ihren Säugling auf dem Arm tragen.
  • Bringen Sie um den Herd ein Sicherheitsgitter an. Am häufigsten verbrühen sich Kinder, wenn sie Töpfe mit kochendem Inhalt vom Herd ziehen. Stiele von Pfannen und Töpfen sollten immer nach hinten gedreht werden.
  • Lassen Sie brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt.
  • Zündhölzer und Feuerzeuge sollten immer kindersicher aufbewahrt werden.
  • Elektrische Kabel von Bügeleisen, Wasserkocher usw. sollten für Kinder nicht erreichbar sein.