1876

Feuerwehr bewährt sich bei Einsätzen

In den Jahren 1876 und 1877 sollte der Freiwilligen Feuerwehr reichlich Gelegenheit geboten werden, ihre seit sechs Jahren eingeübte Handhabung der Geräte praktisch zu verwerten, der leidenden, vom Feuer heimgesuchten Menschheit aufs Neue zu beweisen, dass die junge Wehr bereit ist zu jeder Stunde ihre Kräfte der christlichen Nächstenliebe zur Verfügung zu stellen, selbst sein Leben zu wagen, wenn es gilt dem Nächsten sein Hab und Gut zu retten.

Am 9. Juli gewahrte man ein Feuer in Richtung Neumark. Rasch war die junge Feuerwehr entschlossen und trabte auf den Brandherd in Neumark zu. Die junge Schar bewies, dass sie ihrer Anforderung gewachsen war, was auch das von den dortigen Bürgermeisteramte an den Bürgermeister von Eschlkam abgesandte Dankschreiben beweist:

 

An das verehrliche Bürgermeisteramt
in Eschlkam

Das gefertigte Bürgermeisteramt erlaubt sich hiermit, das freundliche Ansuchen zu stellen, dem dortigen verehrlichen fr. Feuerwehrvereine für die schnelle, werktätige und umsichtige Hilfeleistung, bei dem am 9. Juli hierorts stattgehabten Schadenfeuer, unseren tiefgefühlten Dank auszusprechen.

     Bürgermeisteramt Neumark
     am 12. Juli 1876

     P.Kellner

     Bürgermeister.

Am 27. November 1876 brach in Neukirchen ein Großfeuer aus, bei welchen sich die Feuerwehr wiederum auszeichnete. weitere Details fehlen leider.

Der Bau des Feuerwehrhauses und seine Folgen

Kampfgeist, Hingebung für die edle Sache, Eifer und Aufopferung für den Verein, das waren die Eigenschaften, welche die junge Wehr Eschlkams zu einer solchen Blüte brachten. Vorzügliche Löschgeräte und eine gut geschulte Mannschaft waren vorhanden, Es fehlte aber ein geeigneter Raum, in welchen die Geräte untergebracht werden konnten.

Die Verhandlungen, die mit der damaligen Gemeindeverwaltung gepflogen wurden, ergaben das Resultat, "den Marktschreiber-Stadel". Kurz sei hier erwähnt, dass der Markt Eschlkam früher Magistratsverwaltung, sowie eine eigene Gerichtsbarkeit inne hatte. Anfang der siebziger Jahre verzichtete der damalige Magistrat auf die Magistratsverfassung und die Landgemeindeordnung trat in Kraft, Es wurde somit auch der Marktschreiber entbehrlich und hierdurch auch seine Wohnung und der Stadel. Dieser sollte umgebaut werden zum neuen Feuerwehrhause.

Die Gemeinde sollte die Kosten für die Arbeiten tragen, während die Mitglieder der Feuerwehr das Material schaffen wollten.

So gingen sie betteln Haus für Haus. Die Opferwilligkeit der Einwohnerschaft bewies sich auf glänzendste. Der eine schenkte einen Baum, der einen Sack Hafer, der einen Sack Korn usw. Wer ein Fuhrwerk hatte fuhr Steine und Sand herbei und in kurzer Zeit war das Material herbei geschafft,

Die Männer fingen zu Mauern an und bald war das neue Feuerwehrhaus erstanden, als zwischen der Gemeindeverwaltung und der Freiwilligen Feuerwehr ein Streit ausbrach bezüglich des Eigentumsrechts am neuen Feuerhause. Die Gemeinde beanspruchte für sich dieses Recht, weil der Grund Eigentum der Gemeinde war und die Gemeinde 400 Gulden zu Bauzwecken gegeben habe. Die Freiwillige Feuerwehr ihrerseits glaubte das Eigentumsrecht dadurch herleiten zu können, weil sie das Material geliefert habe und die Statuten in § 26, 29 und 30 so ähnlich lauteten.

Der Vorstand der Feuerwehr Herr Lehrer Erterl, der nämlich den Gemeindeschreiber Dienst anstrebte, stellte sich ziemlich auf die Seite der Gemeinde. Dies trug im selbstverständlich von der Feuerwehr berechtigte Vorwürfe ein, was ihn veranlasste am 27. August 1876 seine Stelle als Vorstand niederzulegen.

 

An das verehrliche Feuerwehr Corps Eschlkam.

                                                                         Eschlkam den 27. Aug. 1876

Ich sehe mich veranlasst, von der Stelle eines Vorstandes beim verehrlichen Corps zurückzutreten. Ersuche, mich als außerordentliches Mitglied in der einschlägigen Liste vorzumerken und zeichne achtungsvollst

                                                                              A. Erterl
                                                                              Lehrer.

Aus dem Ton der nachfolgenden Scheiben ersieht man, dass der Bürgermeister sich als direkt Vorgesetzter der Feuerwehr aufgespielt hat. Dies Benehmen in dieser Richtung hin und die Zwistigkeiten bezüglich des Eigentumsrechts veranlassten den Kommandanten Neumayer seine Charge niederzulegen. Das gleiche befolgten sämtliche Chargen auf der Versammlung am 2. September, beim Schmiedkrießl. Alle lehnten entschieden eine nochmalige Wahl ab, so dass dann gewählt wurden:
Josef Schreiner, Hauptmann
Anton Pfeffer, Adjutant 

Die Gemeinde bestand nun mehr als ehedem auf Ihrer Forderung des Besitztitels. Dies geht aus nachfolgender Zuschrift hervor.                                               

Das Bürgermeisteramt Eschlkam                                                                                       Eschlkam den 6. Sept. 1876

An den Hauptmann der Feuerwehr Eschlkam
Herrn Neumayer
in Eschlkam

Es ist uns zur Kenntnis gekommen, dass Herr Neumayer kürzlich, bei Gelegenheit einer Versammlung, die Charge als Feuerwehrhauptmann niederlegten.

Ist der Sachverhalt so, bittet man sofort um schriftlichen Aufschluss hierüber, ob und auf welche Gründe hin eine solche Abdankung geschehen.

Man gewärtigt um so sicherer umgehenden Aufschluss, da die Zeit der Übergabe des neuen Feuerhauses bereits herangerückt und selbstverständlich vorher einer neuen Wahl bezüglich eines Hauptmanns und Vorstandes der Feuerwehr Eschlkam zu veranlassen ist.

                                                                            Hochachtung
                                                                            der Bürgermeister
                                                                            Pfeffer

Zur gleichen Zeit als das Schreiben an Neumayer abging, gelangte auch ein zweites an den Adjutanten und dieses lautete: 

Bürgermeisteramt Eschlkam

An den Adjutanten
der Freiw. Feuerwehr Eschlkam

Die Übergabe des neuen Feuerhauses betreffend.

Herr Adjutant erhält die Weisung, dass am kommenden Sonntag den 17. d.M. die Übergabe des neuen Feuerhauses stattzufinden habe, wozu derselbe die nötigen Vorkehrungen treffen wird.

                                                                              Achtungsvollst
                                                                              der Bürgermeister
                                                                              Pfeffer.

 

Herr Neumayer erwiderte auf die erhaltenen Zuschriften: 

                                                             Eschlkam, den 7. Sept. 1876

Betreffend: der Hauptmannstelle der Freiw. Feuerwehr Eschlkam.

Auf verehrliche Zuschrift einer löblichen Gemeindevertretung wird von dem Unterfertigten berichtet, dass bei der letzten Generalversammlung der Freiw. Feuerwehr, Neuwahl sämtlicher Chargen beschlossen wurde und dadurch selbstverständlich der Hauptmann seiner Tätigkeit enthoben ist.

Gegen eine Neuwahl zum Hauptmann wurde von den Unterfertigten entschieden protestiert.

Sollte diese Enthebung der Charge nicht an und für sich ein großes Misstrauensvotum sein, so könnten noch verschiedene Gründe angegeben werden zu dem sich der Unterfertige, einer löblichen Gemeindeverwaltung gegenüber nicht verpflichtet fühlt

Einer löblichen Gemeindevertretung ergebenst.

A. Neumayer.

So war der erste Streit vom Zaune gebrochen, der erste Anlass zu Zwietracht gegeben. Das neue Feuerhaus wurde nicht mehr übergeben, sondern einfach bezogen und es war und blieb Eigentum der Gemeinde und ist es bis auf den heutigen Tag.

Zwei unerfahrene Männer denen das Interesse für die gute Sache fehlte, standen nun an der Spitze der Feuerwehr. Bald zeigten sich Mängel über Mängel. Als nun der Winter Einzug mit grimmiger Kälte gehalten, sah man im Feuerhaus die Geräte nach. Die erstaunten Gesichter mag man sich aber vorstellen, als man gewahr wurde, dass die beiden Spritzen und die Schläuche seit der letzten Übung nicht getrocknet wurden und deshalb vollständig eingefroren und nicht gebrauchsfertig waren. Man versuchte sie aufzutauen, allein es wollte nicht von statten gehen. Da entschloss man sich den abgedankten Kommandanten zu Hilfe zu rufen, der dann auch die Arbeit in die Hand nahm.

Die Gemeindeverwaltung kam dann auch zur Einsicht, dass durch ihr Benehmen die bessere Hälfte sich von der Leitung der Feuerwehr zurückzog, dass es aber nicht gleichgültig ist, ob ein junger eifriger, entschlossener Mann an der Spitze steht oder ein alter, dem das Interesse für alles Ideale mangelte.

Sie lenkten daher den Kurs in ein anderes Fahrwasser und die alten Zeiten kehrten wieder zurück.

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